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Dissoziative Identitätsstörung (DIS)

Autor: Henrik Schaarschmidt

Definition

Die dissoziative Identitätsstörung, auch bekannt als multiple Persönlichkeitsstörung, ist eine dissoziative Störung, deren Diagnose auch heute noch stark umstritten ist. Einfach ausgedrückt entwickelt ein Patient mehrere, voneinander unabhängige Persönlichkeiten (daher auch der Begriff: vielfache oder multiple Persönlichkeiten). Charakteristisch ist für die Störung, dass die einzelnen Personen die vollständige Kontrolle über das Verhalten erlangen und meist eine Amnesie zwischen den einzelnen Anteilen vorliegt.

Etwas Geschichte:

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts befassten sich Breuer, Freud und Pierre Janet parallel mit dem Phänomen der "Multiplen Persönlichkeit". Während Freud das Konzept der Verdrängung entwickelte, ging die Forschung Janets in eine andere Richtung.

Er vermutete, dass manche traumatischen Erlebnisse abgespalten, "dissoziiert" werden und dadurch gar nicht ins Bewusstsein kommen. In seinem Buch "L'Automatisme psychologique" von 1889 erklärt Janet die Entstehung einer Dissoziation dadurch, dass verschiedene Faktoren - und zwar ganz besonders real erlebtes Trauma - die integrative Funktion des Bewusstseins blockieren und sich zu "idées fixes" weiterentwickeln können.

Janets Modell der Desintegration und Fragmentierung des Bewusstseins ist in neuerer Zeit als maßgeblich für das Verständnis der Dissoziation wiederentdeckt worden.

Wissenschaftliche Erklärung des Begriffes "Dissoziation"

Zu Beginn möchte ich auf den Begriff Dissoziation eingehen.

Allgemein erläutert ist Dissoziation die Fachbezeichung für "Aufspalten". Im "Fachlexikon Psychologie" wird Dissoziation definiert als: "pathopsychologisch: Zerfall eines integrierten Funktionsganzen in voneinander nicht mehr abhängige Einzelprozesse."

Im dtv "Wörterbuch zur Psychologie" ist zu lesen:

"Bezeichnung für einen Prozeß, in dessen Verlauf zusammengehörige Denk- und Handlungs- oder Verhaltensabläufe in Einzelheiten "zerfallen", wobei sich das Auftreten der Einzelheiten weitgehend der Kontrolle des Individuums entzieht (z.B. unkoordinierte Bewegungen, Gedächtnisstörungen; Wahrnehmungsstörungen.) D. ist zu unterscheiden von Schizophrenie."


Text veröffentlicht mit Genehmigung des Autors Henrik Schaarschmidt.